Polier Tagebuch

Baukosten im Blick behalten: Wie ich Ausgaben mit dem Bauprogramm erfasse

Baukostenkontrolle auf der Baustelle: Polier wertet Ausgaben im Bauprogramm am Tablet aus

Lehm klebt in getrockneten Krusten an der obersten Stufe, dort wo die Gummistiefel drübergehen.

Drinnen sitze ich mit dem Tablet auf dem Schoß und gehe die Woche durch: welche Ausgaben reinkamen, was bei den Baukosten abweicht, was ich klären muss, bevor der Bauherr fragt. Für einen Betrieb wie meinen — drei Mann, zwei bis drei Baustellen parallel — ist das inzwischen der Unterschied zwischen Bauchgefühl und echter Zahlenkontrolle.

Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: In diesen Einträgen verlinke ich gelegentlich Handwerker-Software, die ich selbst auf meinen Baustellen ausprobiert habe — kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, am Preis für dich ändert das nichts. Ich schreibe hier nur über Werkzeuge wie das Bauprogramm, mit dem ich wirklich arbeite, nicht über etwas, das mir irgendein Vertrieb aufgeschwatzt hat.

Die Excel-Tabelle auf dem Büro-Laptop hat mich ausgebremst

Kalkulation war nie meine Paradedisziplin, auch nach 22 Jahren im Geschäft nicht. Man denkt, man hat alles im Kopf, aber dann fehlt eine Palette Steine im NF-Format (240 x 115 x 71 mm), und am Monatsende fragst du dich, wo die Marge geblieben ist. Vor dem Bauprogramm lief die Kostenkontrolle über eine Excel-Tabelle auf dem Büro-Laptop. Klang vernünftig, war es aber nicht: Auf der Baustelle hatte ich den Laptop nie dabei, und ohne Netz wäre er dort sowieso nutzlos gewesen. Also merkte ich mir auf Zetteln oder im Kopf, was an Material kam und was nicht passte, und abends übertrug ich alles noch mal in die Tabelle. Zweimal dieselbe Arbeit, mit jeder Menge Risiko, dass am Mittwoch schon vergessen war, was am Montag passiert ist. Dieses ständige Hin- und Herkopieren zwischen Kopf, Zettel und Laptop hat mich mehr genervt als jede App-Macke danach.

Polier fotografiert einen Lieferschein mit dem Smartphone auf einem Stapel Backsteine für die digitale Baukostenkontrolle

Digitales Bautagebuch, die ersten 14 Tage

In den ersten 14 Tagen mit dem Bauprogramm wollte ich das Tablet mehr als einmal im Schotter vergraben. Die Menüs haben mich wahnsinnig gemacht, ich hab geflucht wie ein Rohrspatz, und trotzdem bin ich drangeblieben. Mittlerweile läuft das anders: Wenn der Lieferwagen kommt, zücke ich das Handy, Foto vom Lieferschein, rein ins Programm. Ganz ohne Netz geht es nicht überall auf unseren Baustellen, aber an den meisten Stellen tut die App auch offline ihren Job. Das hat mich am Anfang selbst überrascht. Fürs Aufmaß nutze ich inzwischen ebenfalls das Handy statt der alten Excel-Maske, wobei das noch mal ein eigenes Kapitel für sich ist. Für einen Betrieb in unserer Größe reicht es außerdem, sich an ein paar Grundfunktionen zu gewöhnen; den ganzen Funktionsumfang braucht ohnehin keiner von uns.

Baukosten bleiben in den Abweichungen hängen

Mein Ansatz ist simpel, auch wenn er am Anfang komisch klang: Ich versuche nicht, jeden Cent akribisch zu verbuchen, sondern ich dokumentiere die Abweichungen. Kommt genau das, was bestellt war, reicht ein Foto vom Lieferschein. Kommt zu wenig, kommt kaputtes Material an, oder taucht der Subunternehmer gar nicht auf, wird es rot markiert und sofort eingetragen. Das sind die Sachen, die am Ende wirklich Geld kosten, nicht die normalen Ausgaben, die eh im Rahmen bleiben.

Wie ich die einzelnen Lieferscheine technisch erfasse, ist noch mal eine andere Geschichte. Hier geht's ums große Bild, um das, was am Ende der Woche in der Kalkulation übrig bleibt. Das hilft ungemein bei der Abrechnung von Nachträgen, weil ich genau weiß, wann was nicht gekommen ist, und manchmal helfen dabei auch die Wetterdaten im digitalen Bautagebuch, um zu beweisen, warum wir Material an einem Tag gar nicht erst annehmen konnten. Wie ich am Ende all die Fotos sauber sortiert kriege, ist wieder ein eigenes Thema, da bin ich selbst noch nicht ganz durch. Mängel halte ich mittlerweile auch anders fest, nicht mehr nur über eine schnelle Nachricht an den Sub, sondern direkt mit Foto und Ort im Programm.

Der Moment am Küchentisch, der die App gerechtfertigt hat

In der fünften Woche, ungefähr KW 38, saß ich mit einem Bauherrn am Küchentisch, er fragte nach dem Stand beim Aushub, und statt in drei verschiedenen WhatsApp-Chats nach der richtigen Nachricht zu suchen, hab ich einfach im Bauprogramm nach dem Datum gesucht. Das passende Foto war in Sekunden da, ich konnte zeigen, was an dem Tag lief, und der Bauherr hat einfach weitergefragt, ohne dass eine peinliche Pause entstand. Seitdem ist mir klar, dass sich das Ding nicht wegen hübscher Auswertungen am Monatsende rechnet, sondern wegen genau solcher Gespräche am Küchentisch.

Ein Kumpel von mir ist ständig mit dem Mountainbike auf dem Schluchtensteig unterwegs und trackt jede Tour bis aufs Meter genau, wenn ich ihm von meiner Kostenliste erzähle, sagt er nur, ich sei jetzt genauso ein Statistik-Freak geworden wie er. Vielleicht hat er recht. Samstags schieb ich noch schnell über den Wochenmarkt in Villingen-Schwenningen, bevor der Trubel losgeht, und merke dabei, wie sehr sich mein Blick auf Zahlen in den letzten Monaten verändert hat.

Digitale Erfassung einer Betonlieferung im Bauprogramm zur Kontrolle der Baukosten auf der Baustelle

Was auch nach Wochen noch hakt

Nicht alles läuft rund, auch jetzt noch nicht. Bei praller Sonne und Staubfingern reagiert der Touchscreen manchmal einfach nicht, und dann steh ich da und hämmere auf einen kleinen Button, während das Display in der Sonne komplett blendet. Am liebsten hätte ich das Ding an solchen Tagen gegen die nächste Schalung gepfeffert. Einer meiner Jungs, der Älteste im Team, tut sich mit dem Tablet immer noch schwerer als erwartet, aber selbst er gibt inzwischen zu, dass wir weniger suchen müssen. Die Zeitplanung der einzelnen Gewerke mache ich weiterhin eher grob im Kopf, das Planungsmodul dafür hab ich kaum angerührt, und auch die Stunden der Jungs trage ich noch nicht komplett digital ein, das kommt vielleicht noch. Die UVV-Prüfungen an den Maschinen dokumentiere ich inzwischen zumindest im Programm, aber wie genau, ist wieder eine andere Geschichte. Was mir dagegen richtig was bringt, ist das rechtssicheres Bautagebuch, wenn der Bauherr fragt, warum der Aushub teurer wurde, zieh ich den Bericht und zeig ihm die Fotos vom Fels, den wir im Boden gefunden haben.

Sonntagabend-Auswertung der Baukosten im digitalen Bautagebuch mit Tablet und kühlem Bier

Das rate ich Kollegen mit kleinem Betrieb

Mein Rat an alle, die auch überlegen umzusteigen: Versucht nicht, die perfekte Buchhaltung auf der Baustelle zu machen. Wir sind Poliere, keine Buchhalter. Nutzt so ein Programm, um die Dinge festzuhalten, die vom Plan abweichen. Der Rest regelt sich fast von selbst.

Die Umstellung auf das Bauprogramm war ein Stück Arbeit, gerade für einen wie mich, der lieber eine Kelle als einen Stylus in der Hand hält. Aber die eine Lektion, die bei mir hängengeblieben ist: Kostenkontrolle funktioniert nicht über perfekte Buchhaltung, sondern darüber, dass du die drei, vier Abweichungen pro Woche sofort siehst, bevor sie sich zu einem Loch in der Marge summieren. Wenn du weniger Zeit mit Zetteln und mehr Zeit mit echtem Bauen verbringen willst, probier es aus. Es muss nicht perfekt laufen, es muss nur laufen.

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