Polier Tagebuch

Regen im Schwarzwald und das Tablet – Warum ich das Klemmbrett endlich verheizt habe

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Digitales Bautagebuch auf dem Tablet bei Regen auf der Baustelle im Schwarzwald – Handwerk und Digitalisierung im Alltag
Offenlegung: Auf dieser Seite stehen Partnerlinks zu Tools, die ich selbst auf meinen Baustellen einsetze. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision – dein Preis ändert sich dadurch nicht.

Der Lieferschein klebt mir nass am Daumen, der Fahrer will weiter, und ich halte das Handy schräg gegen den Regen, damit die Kamera überhaupt scharfstellt. Drei Minuten später bin ich wieder beim Maurer, der Zettel liegt im digitalen Bautagebuch statt in der Jackentasche, wo er sowieso nur verlaufen würde. So sieht bei mir Digitalisierung auf der Baustelle aus – kein Konferenzraum, kein Pilotprojekt, sondern ein regennasser Vormittag an der Alemannenstraße in Freudenstadt, an dem das Handwerk trotzdem weitergehen muss. Auf einer Schwarzwald-Baustelle im Regen zählt vor allem eins: was wasserdicht dokumentiert ist, bevor der nächste Schauer kommt.

Bevor ich weiterschreibe: Ich arbeite seit gut 22 Jahren auf dem Bau, und das Bauprogramm, das hier öfter auftaucht, gehört zu den Tools, die ich wirklich mit dreckigen Fingern getestet habe. Schließt du darüber etwas ab, bekomme ich eine kleine Provision, an deinem Preis ändert das nichts. Empfehlen tue ich grundsätzlich nur, was bei mir auf der Baustelle auch wirklich funktioniert.

Nasser Zollstock, trockene Daten auf der Schwarzwald-Baustelle

Früher lief bei mir jede Baustelle wie die Fundamentarbeiten in der Nähe vom Schluchsee über Klemmbrett und Excel-Tabelle, heute läuft das komplett anders: Fotos, Maße und Notizen landen direkt am Ort des Geschehens im Tablet, nicht erst am Sonntagabend am Küchentisch. Die Regel dahinter ist simpel und hat sich bei mir eingespielt: Was nicht sofort dokumentiert wird, wird meistens gar nicht mehr dokumentiert, weil am Feierabend keiner mehr weiß, welcher Riss zu welchem Wanddurchbruch gehört. Deshalb fotografiere ich Lieferscheine, Mängel und Aufmaße dort, wo sie entstehen, mit kalten, nassen Fingern, direkt am Bauwagen oder mitten im Graben.

Willi Dörner, mein Stammmaurer, hat dazu eine klare Meinung. Braucht eine App mehr als zwei, drei Klicks, sagt er das sofort und ohne Umschweife – kein Drumherumreden, nur ein knappes: zu viel Geklicke, Chef. Genau diese Rückmeldung ist für mich der beste Test, den ein Tool bestehen muss: Bedient ein Maurer mit Handschuhen und Mörtel an den Fingern es in unter einer Minute, taugt es für die Baustelle. Wenn nicht, bleibt es Spielzeug für den Büroschreibtisch.

Tablet mit digitalem Bautagebuch und Regentropfen auf dem Display, Baustelle im Schwarzwald.
Alter Zollstock neben digitalem Aufmaßgerät auf der Baustelle – Handwerk trifft Digitalisierung.

Was tun, wenn der Akku im Bauwagen leer ist?

Genau das ist mir passiert, und zwar richtig unangenehm: Tablet über Nacht im Bauwagen liegen lassen, die Steckdose dort aber nie wirklich zuverlässig, und am nächsten Morgen war der Akku so gut wie leer. Ein gutes Stück Dokumentation blieb offen, weil ich gedacht hatte, das Ding lädt sich schon irgendwie von selbst nach. Nachgetragen habe ich abends aus dem Gedächtnis, und genau das will man bei einem Bautagebuch nicht, weil das Gedächtnis eben keine Uhrzeit kennt. Seitdem lade ich das Tablet ausschließlich zu Hause über Nacht und habe eine Powerbank fest im Werkzeugkoffer – kein Notbehelf mehr, sondern so selbstverständlich wie der Zollstock.

Braucht ein Bautagebuch wirklich volles Netz?

Nein, und genau da irren sich die meisten am Anfang. Hier im Schwarzwald gibt es stellenweise erhebliche Funklöcher, besonders in den Tälern und bei älteren Gebäuden abseits der Hauptstraßen, und die 4G-Verfügbarkeit kann auf ein und derselben Baustelle von Standort zu Standort ziemlich stark wechseln. Otmar Frey, ein befreundeter Polier aus Lahr, hat mir das letztens am Telefon bestätigt, und zwar ganz offen, ohne es schönzureden: Bei ihm in seinen Tälern ist es nicht anders, eher noch schlimmer.

Mit genau diesem Problem bin ich einmal richtig angeeckt: Eine App, die auf dem Papier alles konnte, ist ohne Netz mitten im Speichervorgang eingefroren, mit dem halben Tagesbericht im Nirwana. Ob eine App das kann, prüfe ich seitdem vorab und nicht erst im Ernstfall – Ein digitales Bautagebuch muss offline funktionieren, sonst ist es bei uns oben schlicht unbrauchbar, egal wie hübsch die Oberfläche aussieht.

Beweisfotos landen nicht immer dort, wo sie sollen

Ärgerlich war das bei uns einmal auf andere Weise: Ein Kollege hat Fotos von einer Drainage-Situation ins falsche Projekt hochgeladen, weil zwei Baustellen im gleichen Zeitraum liefen und sich die Projektnamen im Menü zum Verwechseln ähnlich sahen. Ausgerechnet in dem Moment wollte ein Subunternehmer bestreiten, wie viel Drainage tatsächlich verlegt wurde, und die Beweisfotos steckten erst mal am falschen Ort. Gefunden haben wir das Bild schließlich doch, aber es hat unnötig viel Zeit gekostet, die wir woanders gebraucht hätten. Seit diesem Vorfall bekommt jede Baustelle bei uns eine eindeutige, unverwechselbare Bezeichnung im Programm, keine Abkürzung, die sich zwei Projekte teilen könnten.

Bevor wir überhaupt bei einer festen App gelandet sind, hatten wir es mit einer WhatsApp-Gruppe für Baustellenfotos versucht – nach kurzer Zeit war das komplettes Chaos, kein Bild mehr auffindbar, keiner wusste mehr, was zu welcher Baustelle gehörte. Diese Erfahrung war der eigentliche Auslöser, überhaupt ein richtiges Bautagebuch-Programm zu suchen.

Bei Streit über Leistungen zählt am Schluss, was sich beweisen lässt – nicht, wie überzeugend die Ausrede klingt, und genau da wird die VOB-Konformität vom Papierkram zur echten Absicherung.

Drainagearbeiten auf der Baustelle im Schwarzwald bei starkem Regen, dokumentiert im digitalen Bautagebuch.

Wie ich den Lieferschein in drei Minuten vom Zettel aufs Handy bringe

Der Ablauf, den ich inzwischen im Schlaf beherrsche, läuft komplett im Bauprogramm ab: Lieferschein direkt beim Abladen fotografieren, noch bevor der Fahrer wieder einsteigt, das Foto dem richtigen Bauabschnitt zuordnen und die Menge kurz gegenchecken. Kein Zwischenspeichern auf Papier, kein Abtippen am Abend. Dieser eine Handgriff hat mir mehr Zeit gespart als jedes andere Feature im ganzen Programm, weil die Reihenfolge stimmt: erst das Foto, dann der Gedanke, sonst verschwindet der Zettel im Auto des Fahrers oder in der falschen Jackentasche.

Mein Bauwagen ist dabei so etwas wie die Kommandozentrale, auch wenn die verzinkte Hülle längst ein paar Dellen von Gerüstteilen abbekommen hat, die dagegengeflogen sind, und das Baujahr weiter zurückliegt, als mir manchmal lieb ist. Am Klapptisch, wo sonst die Wasserwaage als Buchstütze für die Ordner dient, liegt der Laptop griffbereit daneben, und Thermoskanne samt Kaffeekocher stehen auf der schmalen Fensterbank zur Baustelle hin. Der Türgriff ist bei diesem Wetter so klamm und kalt, dass ich ihn morgens fast automatisch mit dem Ärmel anfasse, bevor ich reingehe und das gestrige Protokoll noch einmal gegenlese.

Ein Aufmaß, das ich beinahe zweimal machen musste

Mir ist das mit dem Aufmaß auch schon passiert, und zwar richtig ärgerlich: Die Synchronisation ist mitten in der Übertragung abgebrochen, und die App hat die halbfertigen Daten kommentarlos verworfen, statt sie zwischenzuspeichern. Neu ausmessen musste ich eine ganze Wand am nächsten Tag, mit Handwerkern, die eigentlich schon auf der nächsten Baustelle gebraucht wurden. Seitdem prüfe ich nach jeder größeren Aufmaß-Session, ob das grüne Häkchen für synchronisiert wirklich da steht, bevor ich das Tablet zuklappe – ein einziger Blick, der mir seither schon öfter eine Neuvermessung erspart hat. Auch das Excel-Aufmaß auf dem Handy gehört für mich mittlerweile in dieselbe App wie das Bautagebuch, weil getrennte Systeme genau die Lücken erzeugen, aus denen später Streit entsteht.

Bautagebuch, Fotos und Nachträge laufen an einem Ort zusammen

Fotos, Mängelmeldungen und spätere Nachträge landen bei mir inzwischen im selben digitalen Bautagebuch, statt in drei verschiedenen Ordnern, Apps und Zettelstapeln verstreut zu sein. Bei einem verregneten Vormittag ist mir mal aufgefallen, wie schnell mein altes, handgeschriebenes Tagebuch regelrecht aufgeweicht ist – dabei verlangt das Gesetz ohnehin nur ein Minimum an Dokumentation, keinen Roman. Wenn schon dokumentieren, dann wenigstens so, dass es Regen und Streitfall gleichermaßen übersteht.

Für kleine Betriebe mit zwei, drei parallelen Baustellen lohnt sich diese Umstellung nach meiner Erfahrung besonders, weil jede Minute Suchen am Sonntagabend eine Minute weniger für alles andere ist. Wer noch zögert, kann sich das Bauprogramm hier mal anschauen – ich nutze es inzwischen auf jeder Baustelle, die ich führe, und würde nicht mehr zum Klemmbrett zurückwollen.

Feierabend auf der Baustelle im Schwarzwald: Tablet mit digitalem Bautagebuch neben einem Bier.

Feierabend heißt bei mir inzwischen wirklich Feierabend, ohne Klemmbrett auf dem Küchentisch und ohne verlaufene Tinte, die noch in eine Tabelle muss. Genau das, mehr als jede einzelne Funktion, ist der eigentliche Unterschied zwischen Papier und Tablet auf einer Baustelle im Schwarzwald.

Ran an den Speck, euer Polier aus dem Schwarzwald.

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