Polier Tagebuch

Digitales Aufmaß: Warum ich Excel am Handy endgültig in den Schwarzwald-Matsch geschmissen habe

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Polier im Schwarzwald vergleicht digitales Aufmaß per Excel-Tabelle und Aufmaß-App auf der Baustelle

Sieben Zahlen in einer einzigen Aufmaß-Zeile waren am Ende verrutscht, weil mir der Wind das Handy beim Eintippen aus der Hand gedrückt hat. Genau an diesem Punkt lohnt es sich, zwei Wege beim digitalen Aufmaß wirklich nebeneinanderzulegen: die Excel-Tabelle, die ich jahrelang am Handy mitgeschleppt habe, und ein Programm, das von Anfang an für die Baustelle gebaut wurde. Beide sollen am Ende dasselbe liefern, eine saubere Aufmaß-Liste, die der Architekt lesen kann. Nur der Weg dahin unterscheidet sich deutlich, sobald kalte Finger, Wind und ein enger Zeitplan ins Spiel kommen.

Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: In manchen Abschnitten verlinke ich Tools, die ich selbst auf meinen Baustellen im Schwarzwald ausprobiere, darunter auch das Aufmaß-Programm aus diesem Vergleich. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Empfohlen wird hier nur, was auf dem Bau tatsächlich funktioniert, nicht was am besten aussieht.

Meine Position nach etlichen Baustellen ist unspektakulär, aber klar: Für eine einzelne Zahl unterwegs reicht Excel notfalls, für den täglichen Polier-Alltag mit mehreren Positionen lohnt sich ein Programm, das genau für diesen Zweck gebaut ist. Diese Bau-Digitalisierung entscheidet sich nämlich nicht am Prospekt oder in der Werbung, sondern auf der Baustelle selbst, wenn Kunde, Wetter und Zeitplan gleichzeitig auf dich einreden.

Excel auf der Baustelle: Wurstfinger gegen 4-Millimeter-Zellen

Excel ist für einen Schreibtisch gebaut, für Maus und Tastatur, nicht für eine Baustelle im Schwarzwald. Das Aufmaß selbst ist ja nichts Kompliziertes: Längen, Flächen, Mengen, die später abgerechnet werden. Aber sobald du das mit klammen Fingern in eine 4-Millimeter-Zelle tippen willst, wird aus der einfachen Aufgabe ein Geduldsspiel. Entweder markiert das Display gleich die ganze Spalte, oder die Tastatur klappt genau über dem Feld auf, das du eigentlich treffen willst.

Excel Baustelle: schmutzige, klamme Finger treffen kaum die richtige Zelle am Handy-Display

Dazu kommt die Sonne, wenn sie sich mal zeigt. Sie lässt die weißen Tabellenfelder so stark spiegeln, dass du kaum noch etwas erkennst außer deinem eigenen Gesicht. Drehst du die Helligkeit hoch, ist der Akku nach zwei Stunden durch. Und rutscht das Handy einmal ungesperrt in die Jackentasche, ist auch eine ganze Formel weg, ohne dass du merkst, wann genau es passiert ist. Wer sich zuerst um die Hardware kümmern will, findet hier mehr dazu: Robustes Tablet für die Baustelle: Worauf Poliere beim Kauf wirklich achten. Selbst das robusteste Tablet rettet aber eine Tabelle nicht, die eigentlich fürs Büro gedacht war.

Stimmt die Einheit noch, wenn du fertig bist?

Ein Punkt wird beim Vergleich gern übersehen: die Einheit. Im deutschen Hochbau wird nach VOB/C in aller Regel in Quadratmetern oder Kubikmetern abgerechnet, nicht in freien Textfeldern. Eine Excel-Zelle ist aber genau das, ein freies Feld, das schon zufrieden ist, wenn überhaupt eine Zahl drinsteht. Ob davor m², m³ oder gar nichts stand, muss der Kopf selbst nachhalten. Ein Aufmaß-Programm, das für den Bau gebaut ist, zwingt dich dagegen, die Einheit direkt bei der Position auszuwählen.

Der Architekt hat mir letztens erklärt, er brauche die Daten im Format nach REB 23.003, einem Standard für den elektronischen Datenaustausch. Mit einer Excel-Liste konnte er schlicht nichts anfangen, er musste alles händisch abtippen. Diese Umrechnung im Kopf, plus das Abtippen beim Architekten hinterher, ist genau das Fehlerrisiko, das eine klare, vorgegebene Einheit von Anfang an vermeidet.

Der Digitalisierungsversuch, den keiner zwei Wochen lang geöffnet hat

Aufmaß war übrigens nicht der erste Versuch, etwas auf der Baustelle zu digitalisieren. Vorher hatte ich ein Trello-Board aufgesetzt, um die Aufgaben unter meinen drei Leuten zu verteilen. Nach der ersten Woche hat es kein Mensch mehr angeklickt, die Karten standen unberührt da, während auf der Baustelle ganz woanders entschieden wurde, wer was macht.

Der Benno, ein Zimmerer aus dem Nachbardorf, hat nur gegrinst, als ich ihm davon erzählt hab, bei ihm im Gasthaus Hirsch in Hornberg, wo wir donnerstags öfter zusammensitzen. Er lacht immer als Erster, wenn eine digitale Lösung so richtig gegen die Wand fährt, und beim Trello-Board hatte er allen Grund dazu. Sein Kommentar: Ein Klemmbrett hätte wenigstens niemand vergessen zu öffnen.

Aufmaß-App auf dem Tablet am Küchentisch statt Excel-Nacharbeit für den Polier-Alltag

Bei der Abnahme zeigt sich der Unterschied zwischen Bauprogramm und Excel

Wo der Unterschied zwischen beiden Wegen am deutlichsten wird, ist nicht beim Eintippen, sondern bei der Abnahme. Ich steh mit dem Kunden auf der fertigen Fläche, tippe die Mängel direkt ins Tablet, und er sieht auf dem Bildschirm live, wie das Protokoll entsteht, kein Zettel, den ich hinterher abtippen muss, kein Versprechen, das per Mail nachgereicht wird. Er nickt, wir gehen weiter zur nächsten Position. Mit Excel war genau dieser Moment immer der unangenehmste: Ich musste vertrösten, weil die Tabelle fürs Tippen im Stehen einfach nicht gemacht ist.

Was sich dadurch handfest ändert, lässt sich schnell zusammenfassen: Die App rechnet automatisch, ich muss nur die Rohmaße eingeben, keine verrutschte Formel mehr. Fragt der Bauherr später, warum wir so viel Beton gebraucht haben, zeige ich das Foto mit den hinterlegten Maßen, statt in alten Zetteln zu wühlen. Und verlasse ich die Baustelle am Nachmittag, ist der Bericht meistens schon fertig, ohne dass ich zu Hause noch nacharbeiten muss.

Der Reinmar aus dem Kinzigtal, der hier öfter mitliest, hat mir letzte Woche nur ein Foto geschickt, kein Wort dazu, seine App zeigte mitten in der Mängel-Eingabe eine rote Fehlermeldung. Auch das gehört zur Wahrheit: Nicht jede App macht die Abnahme automatisch besser, aber die Möglichkeit, das Mängelprotokoll direkt vor Ort mit Foto zu erstellen, ist genau der Punkt, an dem sich digitales Aufmaß und Foto-Dokumentation gegenseitig aushelfen. Wie du am besten durch hunderte Baustellenfotos durchsteigst, ohne den Überblick zu verlieren, ist nochmal ein eigenes Thema für sich, genauso wie ein rechtssicheres Mängelprotokoll eine eigene Betrachtung verdient.

Was auch die App nicht kann

Wo die App an ihre Grenzen kommt, sage ich hier offen. Hinter der Bergkette, wo ich kaum Empfang habe, wird sie merklich langsamer und reagiert manchmal eine ganze Weile gar nicht. Wer viel in Funklöchern unterwegs ist, sollte sich vorher genau anschauen, wie ein Programm sich offline verhält, das ist ein eigenes Thema, das über reines Aufmaß weit hinausgeht.

Ebenso wenig ersetzt so ein Aufmaß-Modul das gesetzlich vorgeschriebene Bautagebuch, das nochmal andere Anforderungen hat, oder eine echte Bauzeitenplanung, mit der du Gewerke und Termine gegeneinander abgleichst. Nachträge, die während des Baus dazukommen, verwaltet so eine App meist in einem eigenen Modul, das mit dem Aufmaß nur locker verknüpft ist. Wer sich grundsätzlich für ein Bauprogramm interessiert, sollte sich also nicht allein vom Aufmaß-Teil blenden lassen, sondern das große Ganze anschauen.

Digitales Aufmaß auf robustem Baustellen-Tablet mit Foto-Dokumentation für die Mängel-Beweisführung

Mein Rat an andere Poliere: Wann sich der Umstieg lohnt

Am Ende läuft der Vergleich auf eine einfache Regel hinaus. Excel am Handy taugt, wenn du nur mal schnell eine einzelne Zahl festhalten willst und ohnehin gleich zurück ins Büro fährst, wo die Maus wartet. Sobald du aber mehrere Positionen hintereinander draußen erfassen musst, mit kalten Fingern, im Stehen, während der Kunde daneben wartet, würde ich zu einem Programm greifen, das von Grund auf für die Baustelle gedacht ist. Bei mir ist das schon länger Bauprogramm [Mein Tool im Test], gerade weil es schlanker ist als die großen Programme für Riesen-Firmen und die Aufmaß-Positionen direkt mit Einheit und Foto verknüpft.

Wichtig ist nur, dass du bei der Auswahl selbst genau hinschaust: Fragt das Programm nach der Einheit, oder lässt es dich einfach irgendwo eine Zahl hintippen? Verknüpft es das Foto automatisch mit der Position, oder musst du hinterher wieder zuordnen? Das sind die Fragen, die am Ende über Frust oder Ruhe entscheiden, nicht der Name auf der Verpackung. Wie meine Jungs nebenbei auch ihre Stunden über eine App melden, statt sie mir am Freitag mündlich aufzuzählen, hab ich hier beschrieben: Stundenzettel digital erfassen: Wie meine Jungs die Arbeitszeit per App melden.

Für Excel auf der Baustelle sehe ich inzwischen kaum noch einen Fall, der wirklich dafürspricht, zu viel Zeit geht drauf für zu wenig Ergebnis. Bauprogramm läuft bei mir schon länger mit, und ich merke den Unterschied bei jeder Abnahme. Wer noch tiefer einsteigen will, wie sich der Rest der Baustellen-Dokumentation digital abbilden lässt, findet mein Fazit hier: Bautagesbericht App für kleine Betriebe im Test: Mein Fazit als Polier. Schafft was weg, bleibt sauber, und lasst euch von Wind und Regen im Schwarzwald nicht die Laune verderben.

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