Polier Tagebuch

Baustellenlogistik für kleine Betriebe: Lieferungen im Bauprogramm planen

Baustellenlogistik für kleine Betriebe: Lieferungen im Bauprogramm planen – LKW bei der Anlieferung auf einer engen Schwarzwald-Baustelle

Wie viele Lieferungen verträgt ein Baustellentag wirklich, wenn nur drei Leute vor Ort zum Abladen, Eisenbinden und Schalen da sind? Diese Frage stellen mir andere Handwerker und auch Bauherren ständig, seit ich meine Baustellenlogistik komplett auf ein digitales Bauprogramm umgestellt habe. Die Antworten, die ich mittlerweile gebe, drehen sich um Materialwirtschaft, um den Bauzeitenplan und um die Frage, was einen digitalen Polier eigentlich von einem mit Taschenkalender in der Jackentasche unterscheidet.

Meine kurze Faustregel dazu: Sobald zwei Fahrzeuge gleichzeitig an- oder abladen wollen und deine Leute nicht an zwei Stellen gleichzeitig sein können, kippt der Tag. Lieber zwei klar getaktete Lieferungen mit ordentlich Puffer dazwischen als vier, die sich gegenseitig blockieren. Der Rest ist Detailarbeit – und genau die versuche ich hier zu sortieren.

Wie viele Lieferungen passen wirklich an einen Baustellentag?

Früher war 'Vormittag' für mich eine völlig legitime Zeitangabe für eine Lieferung. Aber wenn du nur drei Leute hast, die gleichzeitig abladen, Eisen binden und vielleicht noch eine Schalung stellen müssen, dann ist 'Vormittag' der Tod jeder Produktivität. Im Bauprogramm tackte ich die Anfahrten inzwischen so, dass meine Jungs nicht im Stress ersticken, nur weil der LKW-Fahrer gerade Zeit hat und nicht, weil es für die Baustelle passt.

Digitales Bauprogramm mit Lieferterminen auf dem Tablet für die Baustellenlogistik

Enge Zufahrt gegen großen Sattelzug

Ein Dauerthema bei uns im Schwarzwald sind die engen Tallagen. Wer mit einem langen Sattelzug in eine Steillage anrückt, hat oft schon verloren, bevor er die erste Kehre sieht. Bei der Bestellung gebe ich deshalb inzwischen direkt an: nur Solo-Fahrzeuge. Das kostet manchmal einen Aufschlag, spart mir dafür Stunden an Rangier-Ärger und dem Nachbarn seinen Zaun. Sobald ich den Baustelleneinrichtungsplan digital erstellen kann, sehe ich sofort, wo überhaupt noch Platz zum Drehen bleibt.

Der Zdenko, unser Fliesenleger, erklärt mir solche Zufahrtsprobleme manchmal mit Händen und Füßen, wenn ihm gerade das passende Fachwort fehlt – ich weiß trotzdem sofort, was er meint. Genau solche Rückmeldungen von der Baustelle trage ich mittlerweile direkt ins Programm ein, statt sie im Kopf zu behalten und später zu vergessen.

Materialwirtschaft: Wann ist zu früh bestellt schon zu viel?

Man muss sich vor Augen führen, wie viel Platz Material tatsächlich braucht. Eine Standard-Europalette nimmt mehr Stellfläche ein, als die meisten am Anfang schätzen. Stell zehn Stück davon auf eine Hofreite, wo eigentlich noch der Bagger schwenken muss, und die Dinger stehen garantiert im Weg. Ich nutze das Tool deshalb auch, um den Materialverbrauch auf der Baustelle zu dokumentieren, damit ich nicht zu viel auf einmal bestelle. Nichts ist schlimmer als Material, das dreimal von A nach B geräumt wird, nur weil für den nächsten Schritt Platz gebraucht wird.

Fürs Aufmaß nutze ich inzwischen ebenfalls eine App statt Zettel und Tabelle, aber das ist ein eigenes Kapitel für sich. Wie ich die Fotos von der Anlieferung anschließend sortiere, erzähle ich ein andermal – hier soll es um die Lieferungen selbst gehen.

Ein Dreiachs-Kipper LKW in einer engen Baustelleneinfahrt im Schwarzwald – Materialwirtschaft bei wenig Platz

Puffer schlägt Minutentakt

Viele schlaue Planer sagen, man müsse alles auf die Minute takten. Bei kleinen Betrieben wie meinem führt das in der Praxis oft zu unnötigen Leerfahrten. Wenn der Plan zu starr ist und der Baustoffhändler eine Panne hat, bricht der ganze Tag weg. Pufferzeiten, die ich früher als verschenkt angesehen hätte, plane ich heute bewusst ein.

Als der Betonwerk-Lieferant kurzfristig abgesagt hat, bin ich selbst mit dem Bulli zum Hagebaumarkt Schramberg gefahren und hab geholt, was für den Rest vom Tag noch gefehlt hat, statt die ganze Mannschaft warten zu lassen. Bei aufgeweichtem Boden nach starkem Regen hab ich außerdem gelernt, schwere Lieferungen im Programm einfach ein paar Stunden zu verschieben, statt stur am Termin festzuhalten und den Kipper halb in der Einfahrt zu versenken. Das Wetter trage ich deshalb inzwischen ebenfalls mit ins Programm ein, weil es so oft der Grund ist, warum ein Plan über den Haufen fällt.

Beton in kleinen Mengen: teuer, wenn man nicht kombiniert

Bei kleinen Gießabschnitten verlangen Betonwerke gern einen ordentlichen Aufschlag für die geringe Menge. Früher hab ich das zähneknirschend hingenommen. Heute schau ich ins Bauprogramm und sehe: Am selben Tag braucht die andere Baustelle im Nachbardorf auch noch etwas. Dann takte ich das so um, dass ein Mischer beide Stellen anfährt. Das spart bares Geld und schont die Nerven, ohne dass ich mich mit den genauen Normen für Mindermengen beschäftigen muss – das überlass ich dem Betonwerk.

Kommt mal was beschädigt an, halte ich das im Mängelprotokoll fest statt es nur im Kopf zu behalten. Ob das dann auch offiziell ins Bautagebuch gehört, ist ein eigenes Fass, das ich hier nicht aufmache. Nachträge digital festzuhalten ist bei uns mittlerweile ein ganz eigenes Kapitel geworden, genau wie die Prüftermine für die Maschinen, die inzwischen auch digital mitlaufen. Die Stunden von meinen Jungs erfasse ich ebenfalls digital, aber das gehört in eine andere Geschichte, so wie die Grundlagen zum Bauprogramm selbst, die hier zu weit führen würden. Wichtig für die Lieferlogistik ist nur, dass das Programm auch ohne Netz mitspielt, denn Empfang ist bei uns im Tal eher die Ausnahme als die Regel.

Gestapelte Europaletten mit Baumaterial auf engem Raum geplant – Teil eines durchdachten Bauzeitenplans

Lohnt sich das digitale Bauprogramm für einen kleinen Betrieb überhaupt?

Meine Buchhalterin Hermine hat jede neue Lizenzrechnung fürs Tool erstmal mit spitzem Bleistift geprüft, bevor überhaupt was freigegeben wurde – und das war gut so. Bist du dir noch unsicher, ob sich der digitale Kram für deine Logistik überhaupt lohnt? Dann leg ich dir den Einfache Bauzeitenplan Software für kleine Betriebe im Test und Vergleich ans Herz. Ich hab mich am Anfang auch gesträubt, aber die Zeitersparnis bei der Logistik ist deutlich spürbar. Wer nicht mehr fünfmal am Tag telefonieren muss, um zu klären, wo welcher LKW gerade steckt, hat mehr Zeit für das, was eigentlich zählt: Bauen.

Belege sammeln, ohne dass Papier verschwindet

Wie man Belege sauber digital erfasst, ist eine längere Geschichte für sich, und bei mir hat das jedenfalls nicht auf Anhieb geklappt. Ich hatte extra einen Google-Drive-Ordner für Lieferscheine eingerichtet, klang super in der Theorie. In der Praxis hat kein einziger von meinen Jungs auch nur einen Beleg hochgeladen – alles blieb Papier, das irgendwann feucht geworden ist und sich leicht gewellt hat, wenn ich es abends durchsehen wollte. Neulich bin ich beim Feierabendbier zufällig auf die Wochenübersicht in der App gestoßen und hab gesehen, dass die Fotos vom Anliefertag schon automatisch einsortiert dalagen, ohne dass ich dafür einen Finger gerührt hätte. Seitdem ist für mich klar, dass sich an der Beleg-Ablage grundsätzlich noch was ändern muss – die Geschichte ist aber noch nicht auserzählt.

Digitale Logistik ist kein Hexenwerk für Ingenieure, sondern das Ende vom Chaos für uns Praktiker. Es geht nicht darum, alles auf die Sekunde zu kontrollieren, sondern die dicken Brocken so zu legen, dass dazwischen noch Luft zum Atmen bleibt. Sauber dokumentiert ist außerdem Gold wert, falls doch mal eine Bedenkenanmeldung nach VOB digital nötig wird, weil der Untergrund nicht passt oder ein Lieferant komplett patzt. Schafft was weg, aber plant gescheit – man sieht sich auf der Baustelle.

Verwandte Artikel