
Ein Notizbuch mit aufgeklebten Fotos hält vielleicht eine trockene Woche durch, ein digitaler Bauzeitenplan auf dem Tablet übersteht den ganzen Rohbau. Genau zwischen diesen beiden Polen bewege ich mich gerade, seit ich mit meinen drei Leuten von Baustelle zu Baustelle im Schwarzwald ziehe. Die Digitalisierung auf dem Bau klingt nach großem Wort — aus meiner Polier-Erfahrung fängt sie meistens klein an, mit einem Klemmbrett, das man endlich stehen lässt.
Kurzer Hinweis vorweg: In diesen Zeilen verlinke ich Bausoftware, die ich auf meinen eigenen Baustellen wirklich im Dreck getestet habe — kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, dein Preis bleibt gleich. Ich schreibe nur über Werkzeuge, die ich selbst in der Hand hatte.
Warum der Bauzeitenplan auf Papier nicht mehr funktionierte
Meine Maurer-Lehre und die Polier-Schule liegen hinter mir, seither führe ich meinen eigenen kleinen Betrieb. Ein Bauzeitenplan ist für uns nichts anderes als die Reihenfolge, in der die Gewerke aufeinander aufbauen: wer wann kommt, was vorher fertig sein muss und was passiert, wenn sich ein Gewerk verspätet. Taugt tut so ein Plan erst, wenn sofort erkennbar ist, welches Gewerk als Nächstes drankommt und was das für die anderen bedeutet — eine hübsche Liste mit Datum allein reicht dafür nicht. Bei zwei bis drei Baustellen gleichzeitig reicht dafür auch kein loser Zettel, das habe ich lange genug versucht.
Bevor ich auf ein Tablet umgestiegen bin, hatte ich ein Notizbuch, in das ich Fotos von der Baustelle eingeklebt habe — Fortschritt, Mängel, Lieferungen, alles hinein. Bei Dauerregen im Gewerbegebiet Schiltach ist mir das Ding regelrecht aufgeweicht, die Fotos lösten sich ab, und am Ende konnte ich die Hälfte der Notizen selbst nicht mehr entziffern. Danach stand für mich fest, dass sich etwas ändern muss.
Aktuell steht unser Rohbau im Gewerbegebiet Schiltach, dort spielt sich auch der Rest dieser Geschichte ab.

KW 4: Digitalisierung im Funkloch — der Bericht, der trotzdem ankam
Mit dem Bauprogramm habe ich klein angefangen, ohne großen Plan, einfach um zu sehen, ob ich als Polier mit dicken Fingern auf dem Display überhaupt klarkomme. Die ersten Tage waren zäh, das gebe ich zu — anders klicken als mit dem Zimmermannsbleistift zeichnen, das braucht seine Zeit.
Verschieben musste ich zum Beispiel den Termin für den Elektriker, weil der Erdbauer zwei Tage länger brauchte. Früher hätte ich fünf Leute abtelefonieren müssen, jetzt ziehe ich den Balken im Gantt-Diagramm ein Stück nach hinten, und alle Beteiligten bekommen automatisch Bescheid. Mein Kumpel Otmar Frey, Polier drüben in Lahr, meckert normalerweise nicht viel — aber wenn bei ihm der Termindruck steigt, hört man ihn bis zur Baustelle rüber, und in so einer Woche hat er mich gefragt, wie ich das mit dem Verschieben eigentlich mache. Mehr zu den Grundlagen dahinter steht in meinem Bericht Bauprogramm für kleine Firmen: Warum ich mich gegen teure Software entschied.
In der vierten Woche nach der Umstellung saß ich auf der Fahrt über Schramberg im Funkloch, ganz ohne Empfang, und tippte den Tagesbericht offline auf dem Handy runter. Am Montagfrüh, zurück im Gewerbegebiet Schiltach, hatte sich alles im Hintergrund synchronisiert, ohne dass ich noch mal dran denken musste: offline-fähig muss so ein Tool eben sein, sonst nützt die schönste Oberfläche nichts, sobald der Empfang zwischen den Bergen abreißt.
Was am Bauwagen inzwischen anders läuft
Der Bauwagen ist nicht mehr taufrisch, die Außenhaut hat über die Jahre auf wechselnden Baustellen ein paar Beulen abbekommen, aber drinnen ist noch alles am rechten Fleck: der Klapptisch für den Laptop, die Wasserwaage als Buchstütze daneben, die schwarze Thermoskanne auf der Fensterbank. Im Herbst beschlägt das kleine Seitenfenster zur Baustelle hin so schnell, dass ich mit dem Ärmel drüberwischen muss, bevor ich sehe, wer gerade anrollt.
Mein Maurer Willi Dörner hat einen Riecher dafür, wann ein Foto von der Baustelle nötig ist — meistens hat er schon abgedrückt, bevor ich überhaupt danach frage. Fotos allein sortieren sich aber nicht von selbst, das ist eine eigene Baustelle für sich. Bei den Stunden ist es einfacher: Ich habe den Jungs gezeigt, wie sie ihre Stundenzettel digital erfassen, und das erspart mir am Monatsende das Entziffern von verschmierten Zetteln.
Dass so ein digitales Bautagebuch am Ende auch rechtlich sauber dokumentiert sein muss, ist noch mal ein eigenes Thema, das ich hier nicht aufdrösle. Mängel notiere ich inzwischen direkt am Ort des Geschehens, statt mir zu merken, wo ich später noch ein Foto nachreichen wollte.

Digitales Aufmaß und Lieferscheine: Was sich wirklich verändert hat
Auch beim Aufmaß hat sich einiges verschoben, weg vom Klemmbrett und Excel-Gefrickel am Feierabend, hin zu Zahlen, die ich direkt auf der Baustelle eintrage.
Bei Lieferungen war das ähnlich. Ich habe mir mal genauer angeschaut, wie man Lieferscheine digital erfassen kann, was sich gut mit dem Bauzeitenplan verzahnt — wenn du weißt, wann der Kies tatsächlich kam, weißt du auch, warum der Plan gerade hinkt oder eben nicht.
Was ich noch abgeklopft habe, bevor ich beim Bauprogramm blieb
Ausprobiert habe ich neben dem Bauprogramm auch Excel am Tablet und eine große Ingenieur-Software, die eigentlich für ganz andere Baustellen gedacht ist. Mit Wurstfingern in kleinen Excel-Zellen rumtippen, während es auf dem Gerüst zieht, macht schlicht keinen Spaß und dauert ewig. Die große Software konnte vermutlich mehr, als ich je brauchen werde, aber die Einarbeitung allein hätte länger gedauert als unser ganzer Rohbau, für einen Betrieb mit drei Leuten ist das am Ziel vorbei.
Beim Bauprogramm selbst zogen sich vor allem die ersten vierzehn Tage — viel Klicken, bis sich das Tool wirklich rechnet, und mein älterer Mitarbeiter brauchte spürbar länger, bis er das Tablet überhaupt anfasste. Dafür läuft das Aufmaß-Modul inzwischen so, dass mir ein Großteil der Excel-Nacharbeit erspart bleibt, und das Abo-Modell hat mich nicht gezwungen, vorab alles auf eine Karte zu setzen. Nachträge sind noch mal ein eigenes Kapitel für sich, das ich an anderer Stelle ausführlicher behandle.
Mein Bautagesbericht-Fazit dazu ist entsprechend positiv ausgefallen, weil am Ende alles an einer Stelle zusammenläuft, statt auf drei verschiedenen Zetteln verteilt zu sein.

Fazit: Was ich anderen Poliers rate
Datenschutz war mir bei alldem auch wichtig, gerade wenn Kundendaten mit reinspielen, und da nehme ich es dem Anbieter ab, dass er das ernst meint — mehr, als das Notizbuch je bieten konnte, das jeder auf der Baustelle mal aufschlagen konnte.
Die eine Lehre, die bei mir hängengeblieben ist: Ein Bauzeitenplan bringt erst dann was, wenn er dich auch dort erreicht, wo kein Netz ist und der Regen reinzieht, alles andere ist nur eine schönere Version vom selben Klemmbrett. Wer als Polier vor derselben Entscheidung steht, sollte weniger auf den Funktionsumfang schauen und mehr darauf, ob das Ding auch an einem Regenmontag im Gewerbegebiet noch mitspielt.
Wenn du selbst kurz davor bist, das Notizbuch in die Tonne zu treten, schau dir das Bauprogramm einfach mal in Ruhe an. Es muss kein Alleskönner sein, es muss nur funktionieren, wenn es auf der Baustelle ungemütlich wird — und genau das ist für mich der Unterschied zwischen einer App, die im Büro gut aussieht, und einem Werkzeug, das man am Montagmorgen um sechs wirklich benutzt.