Polier Tagebuch

Materialbestellung auf der Baustelle: Wie ich mit dem Bauprogramm Zeit spare

Materialbestellung auf der Baustelle mit dem Bauprogramm: Polier prüft Bestellliste im digitalen Bautagebuch
Offenlegung: Auf dieser Seite stehen Partnerlinks zu Tools, die ich selbst auf meinen Baustellen einsetze. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision – an deinem Preis ändert das nichts.

Ein Telefonat mit dem Baustoffhändler wegen einem strittigen Lieferschein dauert bei mir gern zehn Minuten mit allen Rückfragen, ein Foto vom selben Schein mit dem Handy braucht keine drei. Genau um diesen Unterschied geht es, wenn mich Poliere nach der Materialbestellung mit einem Bauprogramm fragen: nicht um schicke Oberflächen, sondern darum, wo im Polier-Alltag wirklich Zeit hängen bleibt.

Die Fragen, die jetzt kommen, sind nicht aus einem Prospekt abgeschrieben. Die meisten hat mir wer geschickt, meistens per WhatsApp – Poliere, die genau wie ich zwischen altem Excel-Rest und neuer App hängen. Reinmar aus dem Kinzigtal etwa schickt mir regelmäßig Screenshots von seinen eigenen App-Abstürzen, ganz ohne Erklärung dazu. Irgendwann hab ich angefangen, seine Fragen hier der Reihe nach zu beantworten, statt nur privat zurückzuschreiben.

Drei Baustellen gleichzeitig zu versorgen heißt in der Praxis: mal fehlen die 25 kg Säcke Zement, mal liegen die Schalsteine auf der falschen Baustelle. Bevor es um Details geht, beantworte ich hier die Fragen einzeln, so wie sie mir gestellt werden.

Lohnt sich ein Bauprogramm für die Materialbestellung, wenn man nur zu viert ist?

Nach 22 Jahren auf dem Bau ist die Antwort für mich klar: Es kommt auf die Zahl der Baustellen an, nicht auf die Zahl der Leute. Wer wie wir drei Baustellen gleichzeitig bedient und öfter als einmal die Woche nachbestellt, merkt den Unterschied fast sofort. Bei einer einzigen kleinen Baustelle mit überschaubarem Materialbedarf reicht oft noch der klassische Anruf beim Händler. Ich hab mir das Bauprogramm geholt, weil ich zwischen drei Baustellen keine Übersicht mehr hatte, wer welche Schalsteine oder wie viel Zement braucht – nicht, weil mir das ein Verkäufer eingeredet hat.

Eine Erinnerungs-App fürs Handy hat bei mir nicht funktioniert

Bevor das Bauprogramm kam, hab ich's mit einer simplen Erinnerungs-App auf dem Telefon versucht, für Termine und Bestell-Fristen. Das Ding kannte aber keine Baustelle, keinen Lieferanten, keinen Zusammenhang, nur einen stummen Alarm ohne Kontext. Nach zwei Wochen hab ich die Erinnerungen nur noch weggeklickt, ungelesen, und irgendwann komplett ignoriert. Der Benno, ein Zimmerer-Kollege aus dem Nachbardorf, mit dem ich mich donnerstags zum Stammtisch treffe, hat schallend gelacht, als ich ihm das erzählt hab, er ist der Erste, der lacht, wenn eine digitale Lösung spektakulär baden geht, und er hat selbst mal ein halbes Jahr lang eine Bau-App getestet, bevor er sie wieder sein ließ.

Welche Materialien laufen heute über die App?

Zement, Schalsteine, Bewehrung, Estrich – eigentlich alles, was auf einer Bodenplatte oder einer Wand landet, bestelle ich heute über die App statt über Zuruf quer über die Baustelle. Auf der Baustelle an der Alemannenstraße in Freudenstadt hab ich neulich gemerkt, wie weit wir gekommen sind: Der Lieferschein für die Schalsteine kam an, ich hab ihn mit dem Handy abfotografiert, keine drei Minuten später war ich wieder beim Maurer, statt den Zettel erst in die Jackentasche zu stecken und ihn abends zu suchen.

Bauprogramm im Praxistest: Tablet mit Regentropfen bei der Materialbestellung auf der Baustelle

Aufmaß und Materialbestellung: zwei Seiten derselben Medaille

Ganz ohne digitales Aufmaß direkt auf der Baustelle würde die Materialbestellung bei mir nur halb so gut laufen, weil die Mengen sonst wieder aus dem Bauchgefühl kommen statt aus echten Zahlen. Wer das eine sauber macht, tut sich beim anderen leichter – ein eigenes Thema, aber bei uns hängen beide fest zusammen.

Kein Netz auf der Baustelle: die Grenzen der App

Kein Netz ist auf manchen unserer Baustellen ein echtes Thema. Sobald ich hinter einer Bergkette stehe, wird die App spürbar langsamer bis unbenutzbar, ein Punkt, den ich dem Anbieter auch so zurückgemeldet habe. Wie ein Bauprogramm grundsätzlich mit Funklöchern umgehen sollte, ist ein eigenes Thema für sich – hier reicht der Hinweis: Bestellungen, die ich offline anlege, schicke ich raus, sobald wieder Balken da sind.

Der Baustoffhändler merkt den Unterschied als Erster

Mein Baustoffhändler kennt mich seit Jahren und hat den Unterschied von sich aus angesprochen: Statt eines verwackelten Handyfotos von einem Schmierzettel bekommt er heute eine saubere, sortierte Liste, in der die Menge eindeutig ist, er muss nicht mehr raten, ob ich 10 oder 100 Säcke meine. Reinmar aus dem Kinzigtal hat mich genau das mal gefragt, ob sich die Umstellung beim Händler überhaupt bemerkbar macht. Sie tut es, und wenn er gut gelaunt ist, klappt auch die Express-Lieferung leichter, wenn mal wieder was fehlt. Über den digitalen Bautagesbericht sehe ich zusätzlich sofort, was auf welcher Baustelle schon verbraucht wurde – ein Foto im Bericht, verknüpft mit der Bestellung, und die Suche nach der verschwundenen Palette Steine hat sich erledigt.

Materialbestellung im Polier-Alltag: handschriftlicher Zettel neben sortierter Bestellliste als PDF

Ändert sich dadurch auch der Rest vom Bautagebuch?

Ein bisschen, ja: Mängel dokumentiere ich inzwischen digital, nicht mehr nur auf Zetteln, aber das ist ein eigenes Kapitel für sich. Genauso die Bauzeitenplanung, die Stundenerfassung meiner drei Jungs oder das Erfassen von Nachträgen – überall hat sich durch die App etwas verschoben, aber das gehört woanders ausführlich hin. Hier bei der Materialbestellung bleibt der Kern einfach: weniger Rätselraten, mehr Zeit auf der Baustelle statt am Telefon.

Am Ende zählt vor allem das Zeitkonto

Weniger Hinterhertelefonieren am Abend, das ist der größte Effekt für mich. Ich schau abends kurz ins Bauprogramm, sehe die offenen Bestellungen für die nächsten Tage und kann in Ruhe mein Feierabendbier trinken, statt noch beim Lieferanten hinterherzutelefonieren. Nebenbei fällt dabei die Dokumentationspflicht nach VOB/B mit ab, weil Bestellungen und Lieferscheine ohnehin lückenlos abgelegt sind – was ein Bautagebuch da im Detail alles leisten muss, ist ein eigenes Thema, hier zählt nur der Nebeneffekt.

Trau dich an die Umstellung ran

Es muss am Anfang nicht gleich die teuerste Lösung sein. Schau dir an, wie ein Bauprogramm für kleine Firmen den Alltag erleichtern kann, bevor du dich festlegst. Die ersten Klicks kosten Nerven, keine Frage, aber der Moment, in dem der Lieferschein-Zettel endgültig aus der Jackentasche verschwindet, ist die Umstellung wert. Prost und eine ruhige Woche auf dem Bock.

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