Polier Tagebuch

Lieferscheine digital erfassen auf der Baustelle: Mein Test im Bauprogramm

Polier fotografiert Lieferschein auf der Baustelle für die digitale Bautagebuch-App

Zwölf Lieferscheine liegen aktuell in meinem digitalen Ordner, seit die letzte Fuhre Frostschutz auf der Baustelle ankam – keiner davon zerknittert, keiner verschwunden, keiner am Ende in der Waschmaschine gelandet. Vor der Umstellung auf ein digitales Bautagebuch wäre das anders gelaufen. Da hätte ich am Ende der Woche einen Stapel feuchter Zettel vor mir gehabt, und mindestens einer davon wäre nicht mehr zu entziffern gewesen. Digitalisierung am Bau klingt nach großem Wort für so eine kleine Sache wie ein Foto vom Lieferschein, aber genau da hat es im Polier-Alltag bei uns angefangen.

Ein Wort noch, bevor es weitergeht: In manchen Einträgen verlinke ich Software, die ich selbst auf meinen Baustellen einsetze, teils über Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe nur über Werkzeug, das bei mir im Bulli oder im Bauwagen tatsächlich im Einsatz ist.

Der Papierkrieg im Bauwagen

Jeder, der am Bau schafft, kennt die Szene: Der Lkw kippt ab, der Fahrer drückt dir einen nassen Wisch in die Hand, du unterschreibst auf dem Knie und steckst das Ding in die Jackentasche. Letztes Jahr kam der Kies öfter vom Lieferanten gleich neben dem Handwerkshaus Offenburg, und genau an solchen Tagen, wenn wir am Fundament gerackert haben und es nur so runterkam, wurde das Problem am deutlichsten: Regen, matschige Finger, ein Zettel, der schon beim Einstecken halb zerfällt.

Das Problem ist nicht nur die Unordnung. Buchhaltung und Finanzamt wollen die Belege sehen, es gibt eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist für Lieferscheine, und wenn das Thermopapier nach ein paar Jahren ausgeblichen ist, habe ich ein Problem. Dazu kommt die Umsatzsteuer, die ich nur ziehen kann, wenn der Beleg ordentlich vorliegt, und ein Nachtrag beim Bauherrn steht und fällt mit der Doku, wann wie viel Material kam.

Feuchter, zerknitterter Lieferschein auf rauem Beton als Beispiel für Papierdokumentation vor der Digitalisierung am Bau

Warum ich zuerst ein Notizbuch probiert habe

Bevor es Software gab, hatte ich mir ein Notizbuch angelegt und die Lieferscheine einfach eingeklebt, chronologisch, fein säuberlich beschriftet. Klang nach einem guten Plan, bis der erste richtige Landregen kam. Die Seiten hatten sich vollgesogen und lagen am nächsten Morgen leicht wellig auf dem Klapptisch, die Tinte verlaufen, zwei Fotos ließen sich kaum noch vom Papier trennen. Ich hab das Buch trotzdem noch ein paar Wochen mitgeschleppt, aus Sturheit wahrscheinlich, bis ich eingesehen habe, dass Papier und Feuchtigkeit auf dieser Baustelle nie Freunde werden.

Der Klapptisch im Wagen ist schon in die Jahre gekommen, genau wie der Wagen selbst; die alte Wasserwaage hält bei mir seit Ewigkeiten den Ordner aufrecht, weil der Laptop kaum noch Platz daneben findet. Das kleine Fenster zur Baustelle läuft im Herbst so zuverlässig an, dass ich morgens erst mit dem Ärmel wischen muss, bevor ich überhaupt sehe, was draußen los ist. In so einer Bude merkt man schnell, ob ein System bei Feuchtigkeit übersteht oder nicht.

So läuft der Lieferschein heute durch die App

Seit ich auf digitale Erfassung umgestiegen bin, sieht der Ablauf anders aus. Der Fahrer kommt, ich kontrolliere die Ladung, halte das Handy drüber und mache ein Foto vom Schein. Ich nutze dafür das Modul von Bauprogramm, weil es direkt an mein Bautagebuch hängt und ich nicht zwischen zwei Programmen hin- und herspringen muss. Die App liest die wichtigsten Angaben meist von selbst aus, ich ordne den Schein dem richtigen Projekt zu, und das Original wandert trotzdem noch in eine Mappe im Bulli – nur eben als zweite Absicherung, nicht als einzige.

Bei Beton-Lieferscheinen ist mir erst später klargeworden, wie wichtig der Zeitstempel fürs Entlade-Ende ist. Steht der Beton zu lange, gibt es später Risse und Ärger mit der Mängelhaftung. Mit dem Foto in der App hab ich schwarz auf weiß, wann die Trommel leer war, und das hat mir schon mehr als einmal eine Diskussion erspart. Handwerker-Software, die sowas nebenbei mitliefert, ist für mich inzwischen so selbstverständlich wie der Blaumann am Morgen.

Was in den ersten Wochen nicht geklappt hat

Ganz reibungslos lief die Umstellung nicht. Die App verlangt an manchen Stellen mehr Klicks, als mir lieb ist, gerade wenn man mit kalten, staubigen Fingern auf dem Display tippt. Willi, mein Maurer, der schon lange im Betrieb dabei ist und jeden Handgriff am Bauwagen kennt, hat mir das auch sofort so gesagt, ohne Umschweife: 'Chef, für ein Foto brauch ich da zu viele Klicks.' Bei Willi kommt sowas immer direkt, nie erst hinterher übers Eck.

Die ersten zwei, drei Wochen habe ich mehr geklickt als gemauert, kam mir zumindest so vor. Ich hatte den Vorschlag gemacht, jeden Schein doppelt zu sichern, einmal in der App und einmal handschriftlich als Rückfallebene, und mir damit nur zusätzliche Arbeit eingehandelt, weil die Zahlen nie ganz übereinstimmten. Nach der dritten Woche hab ich den handschriftlichen Zettel gelassen und der App vertraut – seitdem ist es einfacher, nicht komplizierter.

Maurer unterschreibt Materiallieferung digital auf dem Tablet statt auf Papier

Kein Netz im Keller: Was dann?

Bei uns im Schwarzwald bauen wir oft in Hanglage oder mit tiefen Kellergeschossen, und da ist mit Netzempfang meistens nichts zu holen. Wenn eine App für jedes Foto sofort eine Cloud-Verbindung braucht, steht man im Funkloch dumm da, der Ladekreis dreht sich, und die Lust ist schnell weg. Das Bauprogramm hat einen Offline-Modus: Ich fotografiere den Schein auch im tiefsten Untergeschoss, die App speichert lokal, und sobald ich oben am Bulli wieder Empfang habe, schiebt sie alles hoch.

Wer öfter mit Funklöchern zu kämpfen hat, dem kann ich nur raten, genau auf diesen Punkt zu achten, bevor er sich für ein Tool entscheidet. Mehr dazu, wie ich mein Bautagebuch im Funkloch überhaupt am Laufen halte, hab ich in einem eigenen Eintrag aufgeschrieben.

Sechs Wochen später: der Anruf vom Vorarbeiter

Sechs Wochen nach dem Umstieg rief mich der Vorarbeiter von der zweiten Baustelle an, wegen einer Kleinigkeit im Plan. Keine Aufregung in der Stimme, keine Sucherei am Telefon, nur eine kurze Nachfrage zu einem Detail – der Rest lag längst sortiert vor. Genau das ist der Unterschied zu früher, wo so ein Anruf eine halbe Stunde Blättern in Aktenordnern bedeutet hätte, das Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt.

Am selben Abend hab ich noch mit Otmar telefoniert, einem befreundeten Polier aus Lahr, den ich noch aus der Polier-Schule kenne. Bei ihm harzt die Umstellung gerade an einer anderen Stelle, das gibt er offen zu, ohne es schönzureden – bei jedem Betrieb hakt's woanders, das beruhigt einen auch ein bisschen.

Smartphone ohne Netzempfang im dunklen Rohbau-Keller bei der Offline-Nutzung der Bautagebuch-App

Lohnt sich der Aufwand?

Nach mehreren Monaten mit dem Bauprogramm kann ich sagen: Ja, es lohnt sich, aber die Zähne zusammenbeißen muss man am Anfang schon. Die ersten Wochen bringen kein Geld, nur Übung, doch die Zeit holt man sich am Sonntagabend mehrfach zurück.

Meine Materiallisten fürs Aufmaß ziehe ich mir heute direkt aus den erfassten Scheinen, das ist ein anderer Planet als früher mit Klemmbrett und Excel-Tabelle am Küchentisch. Wer wissen will, warum ich Excel am Handy für eine Sackgasse halte, findet dazu mehr in meinem Text zum digitalen Aufmaß.

Nebenbei sortiere ich inzwischen auch die Baustellenfotos direkt in der App nach Projekt, weil ein Ordner voller wahllos benannter Bilder mich früher mehr genervt hat als die Lieferscheine selbst, und auch ein Mängelprotokoll lässt sich darüber sauberer führen als über einzelne Zuruf-Notizen auf der Baustelle.

Mein Tipp: Fangt klein an, nur mit den Lieferscheinen, und nehmt das Bautagebuch erst dazu, wenn das läuft. Sucht euch dazu eine Handwerker-Software, die auch im Funkloch nicht sofort aufgibt. Dann bleibt am Ende mehr Zeit für das, was wir eigentlich können sollen: ordentliche Häuser bauen, statt Papier zu verwalten.

Am Sonntagabend merk ich den Unterschied am deutlichsten: Der Tisch bleibt leer, das Bier schmeckt, und im Kopf geistert kein verlorener Lieferschein mehr rum, der irgendwo zwischen Bauwagen und Waschmaschine verschwunden sein könnte.

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