Polier Tagebuch

Baustrom und Wasserverbrauch im digitalen Bautagebuch erfassen und abrechnen

Baustromkasten auf der Baustelle im Regen – Wasserverbrauch und Baustrom-Abrechnung im digitalen Bautagebuch festhalten

Der Kasten steht im Nieselregen, der Zeiger auf dem Zähler ist kaum zu erkennen, trotzdem ziehe ich das Handy aus der Jacke, mache das Foto und tippe die Zahl gleich in die App, bevor mir die Finger klamm werden. Um genau das geht es bei der Baustrom-Abrechnung und dem Wasserverbrauch im digitalen Bautagebuch: nicht um Technikspielerei, sondern darum, dass mir am Monatsende keiner mehr erzählen kann, wie viel ein Trupp wirklich verbraucht hat. Im Polier-Alltag mit zwei, drei Baustellen gleichzeitig bleibt für Zettelwirtschaft ohnehin keine Zeit, und ein bisschen Baustellenmanagement übers Handy hilft da mehr, als man zuerst denkt. Weil mir dazu ständig Fragen von Kollegen und Lesern reinkommen, beantworte ich hier die, die am häufigsten auftauchen.

Baustrom-Abrechnung: Was überhaupt ins digitale Bautagebuch gehört

Fürs Protokoll reicht wenig: der Zählerstand, ein Foto vom Kasten – bei uns meistens ein Standardmodell nach DIN EN 61439-4 – und ein kurzer Vermerk, welcher Trupp gerade aktiv war. Mehr braucht's nicht, und mehr will ich auch nicht pflegen, weil jede zusätzliche Spalte am Ende wieder Zeit kostet, die mir für die eigentliche Arbeit fehlt.

Ob das Ganze überhaupt unter die offizielle Bautagebuch-Pflicht fällt, wird unter Kollegen gern diskutiert – für mich reicht die einfache Antwort aus der Praxis: was am Ende Geld kostet oder kosten könnte, kommt rein, der Rest ist Beiwerk. Wenn ich schon direkt am Kasten stehe, werfe ich gleich einen Blick drauf, ob äußerlich alles passt, und hake das mit ab, damit ich später nicht suchen muss, falls doch mal jemand nachfragt.

Baustromzähler wird mit dem Smartphone abfotografiert für die digitale Baustrom-Abrechnung

Wie oft sollte ich Strom- und Wasserzähler ablesen?

Freitagmittag hat sich bei mir als fester Rhythmus eingespielt, kurz bevor die Jungs das Werkzeug einräumen. Ein Foto vom Zähler, der Wert eingetippt, fertig – das dauert keine zwei Minuten und ist trotzdem lückenlos, weil die Fotodokumentation als Beweis dient und keine Zahlendreher mehr zulässt.

Beim Wasser läuft es ähnlich. Wir mieten meistens ein Standrohr beim örtlichen Versorger gegen Kaution, und das reicht für unsere Zwecke locker – ohne wöchentlichen Stand merke ich aber erst bei der Rückgabe, wenn irgendwo ein Schlauch geleckt hat oder jemand unerlaubt Wasser gezapft hat. Die digitale Erfassung zeigt mir sofort, wenn der Verbrauch unplausibel steigt, und das ist billiger als jede böse Überraschung bei der Schlussabrechnung.

Was tun, wenn der Sub die Pauschale anzweifelt?

Ein Subunternehmer, der bei uns die Ausbauarbeiten gemacht hat, meinte letzten Winter plötzlich, die Strompauschale im Vertrag sei viel zu hoch angesetzt. Früher hätte ich vielleicht nachgegeben, weil mir die harten Zahlen gefehlt haben. Diesmal konnte ich ihm per Klick zeigen, wie der Zählerstand genau in der Zeit hochging, als sein Trupp die Heizgeräte Tag und Nacht hat laufen lassen – Diskussion beendet, ohne dass ich mich hab rechtfertigen müssen.

Standrohr mit Wasserzähler am Hydranten im Winter zur Erfassung des Wasserverbrauchs auf der Baustelle

Lohnt sich die Abrechnung bis auf den Liter genau?

Nein, und zwar aus einem einfachen Grund: die strikte verbrauchsabhängige Abrechnung führt durch den administrativen Aufwand oft zu versteckten Kosten, die den Spareffekt komplett auffressen. Wenn ich oder meine Frau im Büro zwei Stunden rechnen, um einem Sub am Ende 14,50 Euro Stromkosten in Rechnung zu stellen, dann haben wir draufgelegt, nicht gespart. Mein Stundenlohn als Polier und Inhaber ist dafür zu schade.

Deshalb nutze ich die Daten heute eher als Kontrollinstrument und als Basis für faire Pauschalen. Ich weiß aus den Werten der letzten Monate ungefähr, was ein typischer Rohbau an Wasser und Strom schluckt, und wenn ein Nachunternehmer im Rahmen bleibt, greift die Pauschale, ohne dass irgendwer nachrechnen muss. Weil ich ohnehin am Dokumentieren bin, pflege ich im selben Rutsch gleich die Entsorgungsnachweise auf der Baustelle digital verwalten, damit am Ende alle Nebenkosten sauber beieinanderliegen.

Kein Netz auf der Baustelle: was ich trotzdem dokumentiere

Auch ohne Netz lässt sich das Foto machen, der Wert wandert einfach offline in die App und synchronisiert sich, sobald wieder Empfang da ist – die Offline-Fähigkeit war für mich am Anfang sogar der Punkt, der überhaupt den Ausschlag gegeben hat.

Am Klapptisch im Bauwagen, wo der Laptop auf seinem improvisierten Ständer steht und die alte Wasserwaage seit Jahren als Stütze für den Ordnerstapel herhält, tippe ich die restlichen Werte nach, während draußen auf den Stufen der Lehm von den Gummistiefeln längst zu einer harten Kruste angetrocknet ist.

Nicht alles hat auf Anhieb funktioniert. Eine reine Reminder-App fürs Telefon, die mich an Zählertermine erinnern sollte, hab ich nach zwei Wochen wieder gelöscht, weil ihr jeder Bezug zur einzelnen Baustelle fehlte – sie hat mich einfach zu einer Uhrzeit angepiept, ohne zu wissen, um welchen Kasten und welchen Sub es überhaupt ging.

Fotos, Mängel und Aufmaß: die Grenzen des Themas

Beim letzten Abnahme-Rundgang hatte ich das Mängelprotokoll direkt auf dem Tablet offen, während der Kunde neben mir durch die Räume ging – er hat nur genickt, weil jeder Punkt schon mit Foto und Datum drinstand und es nichts mehr zu diskutieren gab. Das digitale Aufmaß ist nochmal ein eigenes Thema für sich, aber ähnlich wie beim Wasserzähler gilt: ein Foto direkt vor Ort schlägt jede Tabelle, die erst abends nachgetragen wird.

Polier trägt Zählerstände am Tablet ins digitale Bautagebuch ein – Baustellenmanagement für Baustrom und Wasser

Was der Reinmar mich sonst noch fragt

Der Reinmar, ein Polier aus dem Kinzigtal, der hier mitliest, schreibt mir öfter über WhatsApp, wenn er wieder ein anderes Tool ausprobiert hat als ich, und vergleicht dann quer durch den Gemüsegarten. Ob Baustrom und Wasser mit ins allgemeine Bauprogramm gehören? Klar, das läuft bei mir im selben System wie der Rest der Baustelle. Ob das auch für die Bauzeitenplanung was bringt? Nur am Rand, weil ein ungewöhnlich hoher Verbrauch manchmal zeigt, dass ein Gewerk länger braucht als eingeplant. Und die Stunden meiner Jungs erfasse ich getrennt davon, auch wenn beides im gleichen Programm läuft.

Wenn ein Kunde nachträglich mehr Energie oder Wasser verbraucht, weil er sich noch einen Sonderwunsch einbauen lässt, trage ich das gleich bei den Nachträgen auf der Baustelle digital erfassen mit ein, damit ich es später nicht aus dem Gedächtnis rekonstruieren muss. Das ist kein Bauchgefühl mehr, sondern eine Grundlage für ein sachliches Gespräch.

Wo ich bei der Genauigkeit die Grenze ziehe

Der Benno, ein Zimmerer aus dem Nachbardorf, mit dem ich mich donnerstags im Gasthaus Hirsch in Hornberg zum Stammtisch treffe, flickt lieber sein altes Werkzeug, als sich was Neues zu kaufen – bei der Frage, ob sich eine Zähler-App für einen Einzelkämpfer überhaupt lohnt, schüttelt er trotzdem nur den Kopf. Für mich mit drei Leuten und mehreren Baustellen sieht die Rechnung anders aus, aber die Grenze ziehe ich trotzdem bewusst: perfekte Genauigkeit bis auf die dritte Nachkommastelle bringt niemandem was, wenn das Nachhalten mehr kostet als der Fehler, den man damit vermeidet.

Ähnlich handhabe ich es inzwischen bei den Kleingeräten auf der Baustelle verwalten – auch da schlägt ein kurzer Blick ins Programm jede Sucherei im Transporter nach dem passenden Kabel.

Fazit: Übersicht schlägt Pfennigfuchserei

Am Ende geht es mir nicht darum, den Pfennigfuchser zu spielen. Ich bin Maurer und Polier, kein Buchhalter, aber ich bleibe als Inhaber eines kleinen Betriebs auf diesen Kosten sitzen, wenn ich zu faul zum Aufschreiben bin. Die digitalen Tools machen das Aufschreiben so einfach, dass es keine Ausrede mehr gibt.

Wenn du also noch mit Zetteln am Stromkasten hantierst: Fang klein an, mach ein Foto, tipp den Wert ein, und schau nach ein paar Wochen selbst, wie viel ruhiger sich der Sonntagabend anfühlt, wenn am Monatsende nichts mehr fehlt.

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