Polier Tagebuch

Restarbeiten auf der Baustelle effizient erledigen mit der digitalen Mängelliste

Polier prüft die digitale Mängelliste auf dem Tablet während der Restarbeiten auf der Baustelle

Restarbeiten in Kirchzarten: der Endspurt mit der digitalen Mängelliste

Mit dem Stylus zwischen zwei staubigen Fingern kreise ich gerade die Fuge an der Fensterlaibung ein, während der Bagger vom Nachbargrundstück im Leerlauf steht und mir den Diesel direkt in die Nase drückt. Auf der Baustelle in Kirchzarten geht es in den Endspurt, und die digitale Mängelliste auf dem Tablet gehört inzwischen so selbstverständlich zu meinem Werkzeug wie die Kelle. Für einen Polier, der seinen Betrieb gerade digitalisiert, ist das keine Kleinigkeit: Noch vor ein paar Monaten habe ich für jede Restarbeit einen Zettel geschrieben, den später sowieso keiner mehr entziffern konnte.

Der Schorsch hat mich gleich in der ersten Woche gefragt, ob ich jetzt zum Bürohengst mutiere, weil ich mit dem Tablet statt mit dem Klemmbrett durch den Rohbau laufe. In meinen mittlerweile 22 Jahren auf dem Bau habe ich einige Listen geführt, aber keine hat mir bisher so den Rücken freigehalten. Am Ende zählt für mich nur, dass ich bei der Abnahme nicht dastehe und raten muss, welches Gewerk welche Macke verursacht hat.

Der laminierte Plan, der doch wieder eingerissen ist

Zuerst hatte ich die Baupläne großformatig ausgedruckt und laminiert, in der Hoffnung, dass sie auf der Baustelle länger halten als normales Papier. Das war die naheliegende Lösung, bevor ich überhaupt an eine App gedacht habe.

Gebracht hat das erstaunlich wenig: Die Folie macht die Bögen nur sperriger, die Ecken reißen trotzdem ein, sobald der Plan zum wiederholten Mal auf dem Rohbeton landet oder im Wagen zusammengefaltet wird, und irgendwann wusste keiner mehr, welche Version gerade die aktuelle war. Jeder hatte plötzlich seinen eigenen laminierten Stapel dabei, und die Stapel passten nicht mehr zusammen.

Staubiges Tablet mit digitaler Mängelliste und Grundriss auf der Rohbau-Baustelle

Was sich ändert, wenn die Mängelliste digital wird

Seit ich die Pläne stattdessen nur noch auf dem Tablet aufrufe, ist der Papierstapel im Wagen erstmal kleiner geworden, auch wenn ich manchmal ganz ohne Netz dastehe und froh bin, dass die App trotzdem weiterläuft. Bei der Abnahme nach VOB/B zählt am Ende nur, was sauber dokumentiert ist – sonst wird es schwierig, einem Subunternehmer im Nachhinein noch etwas nachzuweisen.

Jedes Foto, das ich heute von einer Macke mache, bekommt automatisch einen GPS-Pin, und das erspart mir das stundenlange Beschreiben von "Riss im Putz, zweiter Stock, Ecke links". Wer sich näher mit Beweissicherung auf der Baustelle mit Fotos beschäftigt, weiß, wie viel an einer sauberen Foto-Doku hängt, wenn später mal Streit aufkommt. Auch beim Wetter halte ich seit Kurzem täglich fest, was an dem Tag los war, einfach weil sich das bei Verzögerungen irgendwann auszahlt.

Der Freitagmittag, der plötzlich anders lief

Sechs Wochen sind es jetzt her, seit ich die Restarbeiten konsequent nur noch über die App abwickle, und nicht nur die Mängelliste hat sich seitdem verändert. Am Freitagmittag schicke ich die Wochenstunden für die Jungs direkt vom Baustellenrand aus raus, mit ein paar Wischern übers Display statt mit einer Fahrt ins Büro, um den Zettel abzugeben. Über die Wochen summiert sich das zu ordentlich viel Zeit, die ich früher im Auto statt auf der Baustelle verbracht habe.

Zwischendurch, beim Bäcker am Rathausplatz in Rottweil, hat mich ein Kollege von einem Nachbarbetrieb gefragt, was ich da eigentlich ständig aufs Tablet tippe. Die Zeit, die ich mir inzwischen spare, stecke ich lieber in Dinge, die tatsächlich Aufmerksamkeit brauchen, zum Beispiel wenn ich Baukran und Hebezeuge digital im Bautagebuch durchgehe, damit da alles seine Richtigkeit hat.

Smartphone zeigt digitalen Mängelbericht als PDF für die Restarbeiten auf der Baustelle

Wenn die Mängelliste selbst zur Baustelle wird

Die App verleitet einen aber auch dazu, jeden kleinsten Kratzer sofort zu erfassen. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich eine halbe Stunde lang winzige Unebenheiten dokumentiert habe, die nach den üblichen Toleranzen im Hochbau völlig im Rahmen waren, und am Ende hatte ich mehr Zeit mit dem Foto-Erfassen verbracht als mit dem eigentlichen Bauen.

Deshalb frage ich mich bei jedem Punkt zuerst, ob es überhaupt ein Mangel ist oder eher ein Nachtrag, den der Bauherr separat freigeben muss, und ob da nicht sogar eine Bedenkenanmeldung fälliger wäre als ein Foto in der Liste. Nebenbei läuft der Rest der Digitalisierung parallel weiter: Das Bautagebuch führe ich inzwischen digital, weil es ohnehin Pflicht ist, das Aufmaß tippe ich direkt ins Handy statt es später am Feierabend in eine Tabelle zu übertragen, und selbst die Sicherheitsunterweisung der Kollegen dokumentiere ich mittlerweile mit dem Handy statt auf einem Formular, das eh nur in der Schublade landet. Auch beim Bauzeitenplan schaue ich öfter aufs Handy als auf den ausgedruckten Plan, und Belege für Lieferungen sammle ich mittlerweile digital, statt sie in einem Ordner zu stapeln. Andere im Betrieb dokumentieren ihre Mängel noch über hin- und hergeschickte WhatsApp-Nachrichten, aber ich will bei der nächsten Abnahme lieber ein sauberes PDF vorlegen als alte Nachrichten zu durchsuchen.

Meine Faustregel für die nächste Restarbeiten-Runde

Ein Kumpel von mir verschwindet am Wochenende gerne für Stunden im Hotzenwald, um Pilze zu sammeln, und kommt danach vollkommen abgeschaltet zurück. Bei mir braucht es dafür inzwischen keinen ganzen Ausflug mehr, es reicht, wenn ich am Ende der Woche die Mängelliste tatsächlich auf null habe, statt sie mit ins Wochenende zu schleppen.

Meine Faustregel dabei: Bevor ich überhaupt zum Foto greife, entscheide ich, ob der Punkt wirklich in die Liste gehört oder ob es einfach Baustelle ist, die jeder Rohbau nun mal mit sich bringt. Nur was wirklich erledigt werden muss, kommt rein, und genau das hält die Restarbeiten-Liste als Werkzeug am Leben, statt dass sie selbst zur nächsten Baustelle wird. Wenn du gerade überlegst, ob sich der Umstieg lohnt: Fang mit den groben Brocken an und lass dir für die Feinheiten Zeit.

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