Polier Tagebuch

Baufortschritt mit Fotos dokumentieren: Mein Test mit dem neuen Bauprogramm

Baufortschritt mit Fotos dokumentieren: digitales Bautagebuch und Bauprogramm im Test auf der Baustelle
Kurzer Hinweis: Auf dieser Seite stehen Partnerlinks zu Bausoftware, die ich selbst auf meinen Baustellen im Schwarzwald ausprobiert habe. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision — an deinem Preis ändert sich nichts. Empfohlen wird hier nur, was den Dreck auf der Baustelle überlebt hat.

Zwei Schritte zurück, Handy im rechten Winkel zur Wand, abgedrückt — bevor der nächste Sack Fertigmörtel aufgerissen wird, liegt das Bild schon sauber einsortiert in der App, GPS-Tag und Zeitstempel inklusive. Genau darum geht es bei der Baustellendokumentation mit Fotos: nicht ums Sammeln, sondern ums Finden, wenn es später drauf ankommt. Mein digitales Bautagebuch läuft inzwischen fast von allein mit, und in diesem Bauprogramm-Test zeige ich, welche Fotoregeln sich für einen kleinen Betrieb mit zwei bis drei Baustellen wirklich auszahlen.

Auf dem Bau bin ich seit 22 Jahren unterwegs, Maurer-Lehre und Polier-Schule inklusive, und Zettelwirtschaft kenne ich in- und auswendig. Das klassische Bautagebuch auf Papier hat mich über Jahre begleitet, bis mir das Suchen nach dem einen Beweisfoto zwischen hundert Handy-Bildern zu blöd wurde. Seitdem läuft bei mir das Bauprogramm mit, und für die reine Foto-Seite hat sich vor allem eine Regel bewährt: erst die Übersicht, dann das Detail.

Übersichtsfoto vor Nahaufnahme: die wichtigste Regel

Die einfachste Regel zuerst: Wer nur Nahaufnahmen von Bewehrungseisen oder Anschlüssen macht, rackert sich nur sein eigenes Chaos zusammen. In kurzer Zeit kamen bei mir mal 500 Bilder von Bewehrungseisen zusammen, und drei Tage später wusste ich selbst nicht mehr, welches Foto zu welcher Baustelle gehörte. Neben den reinen Baufortschrittsfotos erfasse ich inzwischen auch den Materialverbrauch auf der Baustelle direkt im Programm, damit Bild und Zahl an derselben Stelle liegen. Die Lösung fürs Foto-Chaos ist simpel: zwei Schritte zurückgehen, die ganze Wand oder den ganzen Raum zeigen, dann erst ranzoomen. Ein Übersichtsbild mit automatischem GPS-Tag, wie es das Bauprogramm mitliefert, ist mehr wert als zehn Detailfotos ohne Kontext. Willst du später doch das Detail sehen, reicht in den meisten Fällen der Zoom im digitalen Bild.

Staubige Maurerhand bedient digitales Bautagebuch am Tablet zur Baustellendokumentation

Wie viele Fotos sind wirklich nötig?

Vor jedem Gewerkewechsel ein Bild — das ist die Faustregel, die sich bei mir durchgesetzt hat. Bevor eine Wand verputzt wird, bevor eine Baugrube verfüllt wird, bevor eine Abdichtung überdeckt wird: immer erst ein Übersichtsfoto, dann weiterarbeiten. Bei laufenden Arbeiten reicht meist ein Bild pro Tag und Baustelle, außer es passiert etwas Ungewöhnliches, etwa eine Lieferung, die nicht zum Aufmaß passt. Am Hagebaumarkt Schramberg hole ich öfter kurzfristig Material, und auch da fotografiere ich den Lieferschein direkt am Handy, statt ihn lose im Beifahrersitz zu sammeln. Wichtig ist nicht die Masse, sondern dass jedes Bild später auffindbar ist.

Was das Bauprogramm im Test bei der Baustellendokumentation bringt

Der Foto-Anhang ist für mich der Hauptnutzen der ganzen App — Bautagebuch und Bild in einem Schritt, direkt am Handy, auch mit dreckigen Fingern. Wie die App die Bilder im Hintergrund sortiert und ablegt, ist ein eigenes Thema für sich; wichtig für die Fotoregel hier ist nur, dass jedes Bild automatisch mit Datum, Ort und Wetterlage verknüpft wird, ohne dass ich das von Hand nachtragen muss. Sonntagabend, Bier auf dem Tisch, und die Fotos der letzten Tage liegen bereits sortiert in der App, statt dass ich sie erst vom Handy auf den Rechner ziehen muss — das allein spart mir mehr Zeit als jedes andere Modul. Das Aufmaß-Modul nimmt mir zusätzlich einen Großteil der Excel-Nacharbeit ab, was ich regelmäßig zu schätzen weiß.

Wenn eine Mängelrüge ins Haus flattert

Ein echter Härtetest kam mitten im Winterfrost. Eine unberechtigte Mängelrüge behauptete, die Abdichtung am Keller sei nicht ordentlich ausgeführt worden. Früher hätte ich jetzt im Aktenordner gewühlt und gehofft, dass ich noch weiß, wer an dem Tag da war. Diesmal reichte ein Klick: Foto, Zeitstempel, GPS-Koordinaten und der Wetterbericht des Tages hingen direkt am Bild, und ich konnte belegen, dass wir bei passenden Temperaturen gearbeitet und die Abdichtung fachgerecht ausgeführt hatten, bevor verfüllt wurde. Genau für solche Fälle lohnt sich eine saubere Beweissicherung auf der Baustelle — wie lange man Bauunterlagen überhaupt aufbewahren muss, ist wieder ein eigenes Kapitel, aber bevor eine Verjährungsfrist greift, will ich die Beweise lieber einmal zu viel als einmal zu wenig gesichert haben. Auch das Mängel-Protokoll selbst führe ich inzwischen anders, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

Übersichtsfoto einer Baustelle als Beispiel für Baufortschritt-Dokumentation im Bauprogramm

Warum das Trello-Board schnell wieder verschwand

Nicht jeder Versuch hat funktioniert. Ich hatte extra ein Trello-Board aufgesetzt, um Aufgaben und Foto-Zuständigkeiten auf den Baustellen zu verteilen — wer macht wann welches Bild, wer trägt was nach. Sehr bald hat keiner mehr reingeschaut, das Board lag digital verwaist da. Mein Vorarbeiter hatte sein Handy sowieso schon offen für die App, ein zweites Tool parallel zu pflegen war einfach zu viel. Ein älterer Kollege bei mir hat außerdem länger gebraucht, bis er das Tablet überhaupt richtig anfasst — das gehört zur Umstellung genauso dazu wie das tote Board. Benno Rüb, selbständiger Zimmerer aus dem Nachbardorf, hat beim Stammtisch nur gelacht, als ich ihm von der Board-Leiche erzählt habe — er testet selbst gern neue Apps und lässt sie meistens nach kurzer Zeit wieder fallen. Seine Lehre daraus deckt sich mit meiner: Ein Tool, das die Leute sowieso schon offen haben, schlägt jedes zusätzliche Board.

Restarbeiten, Kosten und der Rest: alles an einem Ort

Neben den reinen Fortschrittsfotos hat sich noch etwas eingespielt: Ich erfasse auch die Restarbeiten auf der Baustelle gleich digital, statt sie mir auf die Handfläche zu kritzeln und beim Duschen wieder zu vergessen. Genauso rufe ich zwischendurch ab, wie viel wir schon an Kosten erfasst haben, ohne dafür erst einen Stapel Quittungen zu zählen. Reinmar Bösch, ein Polier aus dem Kinzigtal, der hier öfter mitliest, hat mir neulich kommentarlos einen Screenshot geschickt, auf dem die App bei ihm im Funkloch hinter der Bergkette hängen blieb — Offline-Fähigkeit ist bei solchen Programmen ein eigenes Kapitel für sich. Für die Foto-Dokumentation gilt bei mir trotzdem die einfache Faustregel: erst speichern, wenn wieder Netz da ist, lieber als ein Bild zu riskieren. Für einen kleinen Handwerksbetrieb ist genau das am Ende die eigentliche Digitalisierung — nicht das große Software-Update, sondern das eine Foto, das man in zwei Jahren noch wiederfindet.

Wer die eigene Zettelwirtschaft satt hat, sollte sich das Bauprogramm einfach mal in Ruhe ansehen — vor allem wegen der Foto-Funktion, die bei mir inzwischen mehr Zeit rausholt als jedes andere Modul. Erwarte nicht, dass die ersten 14 Tage im Flug vergehen; bei mir haben die sich ordentlich gezogen, bis der Klick saß. Aber sobald die Übersichtsfoto-Regel einmal sitzt, willst du nicht mehr zurück zum Aktenordner im Keller.

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