Polier Tagebuch

Welches Bauprogramm für Poliere im Hochbau beim Zeitsparen wirklich hilft

Welches Bauprogramm für Poliere im Hochbau beim Zeitsparen wirklich hilft – Baustellen-App im Polier-Alltag

Drei WhatsApp-Chats habe ich einmal durchsucht, während ein Kunde am Telefon auf die Antwort wartete, wo genau der Riss in seiner Kellerwand markiert war. Gefunden habe ich nichts, zurückgerufen habe ich erst eine ganze Weile später. Genau in diesem Moment wurde mir klar: Ein digitales Bautagebuch allein macht noch keine funktionierende Hochbau-Software. Als Inhaber-Polier mit drei Mitarbeitern und meist zwei bis drei Baustellen gleichzeitig kenne ich inzwischen beide Seiten – die komplizierte Baustellen-App, die alles kann, und das schlanke Werkzeug, das genau das tut, was man auf dem Gerüst wirklich braucht. Im Polier-Alltag zeigt sich schnell, welches Programm wirklich Zeit spart und welches nur auf dem Papier gut aussieht.

Zwei Wege zum gleichen Ziel: Zeit sparen mit der richtigen Hochbau-Software

Seit 22 Jahren stehe ich auf Baustellen im Hochbau, von der Maurer-Lehre bis zur Polier-Schule, und trotzdem hat mich die Frage überrumpelt, welches Bauprogramm mir wirklich Zeit spart. Grob gesagt gibt es zwei Lager. Auf der einen Seite die Programme, die ursprünglich für Bauingenieure im Büro entwickelt wurden, mit Statikmodulen, Kostenstellen und Untermenüs für jedes erdenkliche Detail. Auf der anderen Seite die schlanken Apps, die aussehen, als hätte sie jemand direkt für den Gerüstalltag gebaut: wenig Knöpfe, viel Foto, kaum Text. Beide habe ich über Monate parallel getestet, auf wechselnden Baustellen zwischen Offenburg und Wolfach, mit meinen Mitarbeitern als unfreiwilligen Testpersonen.

Nahaufnahme eines staubigen Tablets mit einfacher Bedienung als schlanke Hochbau-Software auf der Baustelle

Die Ingenieurs-Software kann alles – nur nicht das, was ich auf dem Gerüst brauche

Mein erster Anlauf war eine dieser umfangreichen Lösungen aus dem Baubüro, die von der statischen Berechnung bis zur Abrechnung für Großprojekte reichen. Auf dem Gerüst, mit Handschuhen an den Fingern und Wind in den Ohren, bringen mir dreihundert Untermenüs schlicht nichts. Ich muss nicht nachlesen, wie die Bewehrung gebogen wird, das sitzt einfach im Rückgrat. Gebraucht habe ich etwas, das den Ist-Zustand festhält, ohne dass daraus ein Roman wird. Mein Tablet steckt inzwischen in einer Hülle mit Schutzklasse IP68, und selbst wenn sich der Baustaub in jede Ecke der Hülle setzt, darf die Software trotzdem nicht hängen bleiben, sonst war die ganze Anschaffung für die Katz. Wer bei null anfängt und noch gar kein System nutzt, findet die Grundlagen zu einem Bauprogramm für kleine Firmen ohnehin an anderer Stelle ausführlicher erklärt, hier geht es mir nur um den Vergleich der zwei Wege.

Abweichungen dokumentieren statt jeden Handgriff aufschreiben

Das schlanke Tool funktioniert nach einem anderen Prinzip: Standard-Arbeitsschritte tauchen gar nicht erst auf. Wand gemauert sieht man auf dem Foto, das muss ich nicht extra tippen. Festgehalten wird nur noch, wo etwas von der Planung abweicht, warum der Mischer zu spät kam, warum die Bewehrung fehlte, warum der Bauherr plötzlich eine Extra-Steckdose wollte. Genau diese Abweichungen sind es auch, die später bei der Abrechnung nach VOB/B § 14 zählen, ohne dass ich hier tiefer in die Paragraphen einsteigen will.

Ob ein Bautagebuch geführt werden muss, steht ohnehin außer Frage – wie rechtssicher man das digital umsetzt, ist ein eigenes Thema für sich. Genauso mit Mängeln: Ob man die per Foto direkt in der App oder eher lose über Chat dokumentiert, ist wieder eine andere Geschichte, die ich hier nicht aufrolle. Fotos sind bei mir inzwischen Gold wert, gerade bei der Abnahme, auch wenn das Sortieren der Bilder danach ein eigenes Kapitel ist. Fehlt oder klemmt ein Werkzeug, markiere ich das direkt in der App – das hilft auch dabei, wenn wir mal wieder unsere Kleingeräte auf der Baustelle verwalten müssen, bevor am nächsten Morgen wieder alle suchen.

Polier prüft im Polier-Alltag das digitale Bautagebuch auf einer Betonplatte bei Sonnenuntergang

Warum der Umstieg trotzdem nicht von selbst läuft

Digital heißt nicht automatisch einfacher, das musste ich selbst erst lernen. Vor einer Weile habe ich für die Lieferscheine einen Ordner bei Google Drive angelegt, in der Annahme, dass jeder sein Handyfoto einfach hochlädt. Genutzt hat den Ordner am Ende niemand: Die Zettel blieben Zettel, in der Jackentasche oder unterm Sitz vom Bulli, und eingesammelt habe ich sie trotzdem wie vorher auch. Meine Buchhalterin Hermine Zagel hat mich vor Kurzem noch an einen fehlenden Beleg erinnert, kurz bevor die Steuerberaterin angerufen hat – ein Zeichen, dass ein Ordner allein niemanden zum Mitmachen bringt, egal wie gut die Idee auf dem Papier klingt.

Bei den Kollegen und Partnern draußen ist es ähnlich. Den Zdenko, unseren Fliesenleger, treffe ich manchmal samstags auf dem Wochenmarkt in Villingen-Schwenningen, und selbst er zögert bei jeder neuen App erst mal, bevor er nach einer Woche doch mitmacht. Ob ein Programm auch ganz ohne Netz im Funkloch zuverlässig weiterläuft, ist wieder ein eigenes Thema, genauso wie die Frage, ob das digitale Aufmaß auf dem Handy wirklich einfacher ist als von Hand skizziert. Die Stundenerfassung war für mich das Kriterium, an dem sich die Programme entschieden haben – wer hier umständlich tippen lässt, verliert mich schnell. Auch die Bauzeitenplanung für kleinere Betriebe ist noch mal eine andere Baustelle, die einen eigenen Blick verdient. Wenn der Bauherr vor Ort plötzlich einen Sonderwunsch hat, zücke ich das Tablet und mache ein Foto von seiner Unterschrift, statt später mühsam zu versuchen, Nachträge auf der Baustelle digital zu erfassen, wenn sich keiner mehr genau erinnert.

Welches Bauprogramm passt zu welcher Baustelle?

Am Ende ist die Antwort für mich keine Glaubensfrage, sondern eine nach der Baustellengröße. Wer als Generalunternehmer mehrere Gewerke gleichzeitig koordiniert und ohnehin eine eigene Bauleitung im Büro hat, für den kann sich die große Ingenieurs-Software lohnen – die Rechenpower ist dort kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Führt man dagegen wie ich ein bis drei Baustellen mit einer Handvoll Leuten, ohne eigene Bauleitung im Rücken, dann gewinnt fast immer das schlanke Tool: weniger Klicks, mehr Foto, mehr Zeit auf dem Gerüst statt am Bildschirm. Mein Rat an jeden Polier, der vor der gleichen Entscheidung steht: Zähl zuerst die Knöpfe, die du bei deiner ersten Doku wirklich brauchst, schau dir erst danach an, was die Software sonst noch alles kann. Was danach noch übrig bleibt, ist Beiwerk, und Beiwerk kostet auf der Baustelle nur die Zeit, die man eigentlich sparen wollte.

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